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Þorrablót, eine Tradition wird in Island gefeiert

Mit dem Beginn der Besiedelung Islands im neunten Jahrhundert mussten sich die Menschen Gedanken machen wie sie ihre Ernährung während der langen kalten Winter sicherstellen konnten Bis zu acht Monate im Jahr gab es kaum frische Nahrung. Die Isländer waren gezwungen Nahrungsvorräte anzulegen und diese mit verschiedenen Maßnahmen haltbar zu machen. Erst mit der Verwendung von Gefriertruhen im 20. Jahrhundert gab es die Möglichkeit die Nahrung über einen längeren Zeitraum haltbar zu machen.

Salz in Island nicht zu bekommen

Die Isländer mussten besonders kreativ sein. Es war damals schon bekannt, dass man Fleisch und Fisch haltbar machen konnte, indem es gesalzen wurde. Doch Salz war schon auf dem Europäischen Kontinent eine Kostbarkeit. Im abgelegenen Island war es schlechthin nicht erhältlich. Dafür hatten die Isländer die geniale Idee an Stelle von Salz, Molke aus der entrahmten Milch innerhalb einiger Tagen natursauer werden zu lassen. Mit der sauren Molke konnte man gekochte Fleischprodukte sauer- und dadurch haltbar machen. Dazu wurde das Fleisch in Fässern mit Molke eingelegt.

Eine weitere Methode um die Haltbarkeit von Lebensmitteln zu erhöhen war die Trocknung. Vor allem Fisch wurde damit haltbar gemacht. Eine ganz spezielle Form der Konservierung wurde beim Haifisch angewandt. Er ließ sich mit Hilfe von Urinnitraten fermentieren, die in seinem Körper eingeschlossen waren.

Isländischer Fisch als Exportartikel

Später, als Salz auch in Island einfach zu bekommen war, wurde sowohl das Fleisch wie auch der Fisch über diesen Weg haltbar gemacht.  Gesalzener Dorsch war als “Bacala” ein Exportartikel in südeuropäische Länder. Zusätzlich ließen sich gesalzene Lebensmittel weiter bearbeiten, indem sie geräuchert wurden. Als solche genießen sie heute noch den Ruf eines vorzüglichen Essens, ob als geräucherte Lammkeule (Hangikjöt – Rauchfleisch) oder als kostbar geräucherter Saibling/Lachs.

Mit der Einführung der Gefriertechnik, in etwa der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts, wurde das “Überleben im Winter” nun viel einfacher. Diese altertümliche Aufbewahrungsart der Lebensmittel geriet relativ schnell in Vergessenheit. Schlaue und vermutlich geschichtlich veranlagte Restaurantbetreiber kamen in den Fünfzigerjahren auf die Idee Feste zu veranstalten, wo diese bereits als “traditionelles Essen” genannten Lebensmittel auf den Tisch kamen. Seither werden diese Feste “Þorrablót” genannt, ausgesprochen wie Thorrablot.

Þorrablót ist Kult

Diese Þorrablót-Veranstaltungen haben in den vergangenen 70 Jahren einen regelrechten Boom erlebt. Auch heute wird gefeiert “als ob es kein Morgen mehr gäbe”. Jeder Club, jede Gemeinde, jede Familie oder Freundesgruppe feiert Þorrablót mindestens einmal im Monat Þorri. Dieser Monat gehört zur alten Zeitregistrierung, als die Monate naturverbundene Namen hatten, wie Góa (Güte), Heyannir (Heuernte) und Mörsugur (Specksauger). Nur bei Þorri weiss man nicht was es bedeutet. Aber man kann sich diesen Namen als den einen Namen eines kalten und rauen Mannes vorstellen. Dieser Monat Þorri ist mitten im Winter, im härtesten Teil des Jahres. Þorri beginnt um den 20. Januar und dauert etwa bis zum 20. Februar. Es heisst, wenn man diesen Monat geschafft hat, hat man den Winter überlebt. Þorrablót bedeutet somit eine (Fr)Essfete, angereichert mit Musik und Tanz, im Monat Þorri.

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Thorrablot in Island

Isländer lassen es so richtig krachen

Þorrablót ist also eine Schlemmerorgie, wo die gesengten Schafköpfe (oder Schafkopfsülze bei Weicheiern), die gesäuerten Hammelhoden, der fermentierte, furchteinflössende Haifisch, der eingelegte Hering, das gesäuerte Wammerl vom Schaf und/oder gesäuerter Walspeck, der Trockenfisch und das rohe Rauchfleisch vom Lamm (Hangikjöt) mit größtem Genuss gegessen wird. Bei diesem reichlichen und fettem Essen nicht verwunderlich: Zum Abschluss und als „Belohnung“ gibt es dazu eine Fuhre des isländischen Schnaps Brennivín, der auch unter seinem  Spitznamen “Schwarzer Tod” bekannt ist.

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Bei Thorrablot darf auch der Brennivin nicht fehlen

Þorrablót in Island wie Oktoberfest in Deutschland

Eine sehr interessante Entwicklung, die Þorrablót über die Jahr hinweg genommen hat. Aus einer Notwendigkeit um die langen Winter zu überleben hat sich ein Fest entwickelt, das bei den Einheimischen einen ähnlichen Status genießt wie das Oktoberfest in Deutschland. Vielleicht wird Þorrablót ja in Zukunft ein Touristenmagnet wie das Oktoberfest, obwohl diese Küche vielleicht nicht ganz so massentauglich wie Bayerisches Bier und Bayerische Brotzeit ist? Schwer vorstellbar, aber wer weiß..

Falls Sie sich ein eigenes Bild von Þorrablót machen wollen, können Sie eines unserer Ferienhäuser mieten und dort die traditionellen isländischen Speisen genießen. Hier können Sie in aller Ruhe und diskret probieren, ohne sich den spottenden Blicken der Einheimischen auszusetzen, falls Ihnen Ihr Essen nicht ganz geheuer vorkommt.

Kaufen kann man dieses herrliche Essen “Þorramatur” portionsweise z. B. im Restaurant Múlakaffi (https://www.mulakaffi.is/is/veislumatsedlar/thorramatur) oder -vorsichtshalber Stückweise – in verschiedenen Supermärkten in Island, wie z. B. “Krónan” (kronan.is).

Guten Appetit!

Thorrablot in Island
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